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7. Indian Summer in den Rocky’s, höchstbefahrene Pass-Strasse der USA (3'770 m ü.M.) überquert und am tiefsten Punkt im Death Valley (-86 m ü.M.) angekommen

 

 

 21. September – 22. November 2019

 

Nicht dass ich etwa schreibfaul wäre, jedoch der Heimat-Urlaub verzögerte den Blog um einen Monat....

 

Ja, wir sind Ende Oktober bis Mitte November für 3 Wochen zurück in die Schweiz geflogen. Wir mussten einfach unsere Liebsten in die Arme nehmen, schliesslich wurde unser zweites Grosskind während unserer Reise geboren. Das Wiedersehen mit Familie und Freunden war einfach überwältigend.

 

Aber jetzt der Reihe nach...

 

The great American West, Montana, Wyoming, Idaho, North Dakota und South Dakota entsprechen uns total. Nirgendwo in den USA haben wir bisher eine so unberührte Landschaft, reichhalte Tierwelt und nationale Symbole gesehen wie hier.

Sheridan, eines von vielen typischen Cowboystädtchen in Wyoming, war Ausgangspunkt für den Besuch des Devils Tower National Monument, ein turmartiger Klotz, der wie aus dem Nichts in den Himmel ragt. Dann zog es uns weiter in das Goldgräberstädtchens Deadwood, South Dakota, in den Black Hills gelegen. Aber nicht etwa wegen des Goldes, sondern viel mehr weil mir gesagt wurde, dass man hier Pokerspielen kann. Im Vergleich zu den 1'300 Einwohner gibt es hier beachtlich viele Saloons und noch mehr Cowboy-Shops. Wir deckten uns mit je einem paar Cowboystiefeln ein und gingen in den Saloon Nr. 10, wo Wild Bill 1876 beim Pokern erschossen wurde. Ich setzte mich an den Tisch zu den Einheimischen und viel, dank meines Outfits , nicht einmal gross auf, jedoch anhand meines Akzents und Pokerstils bemerkten die wortkargen Mitspieler dann doch, dass ich nicht von hier bin.J

 

Nach zwei durchzechten Nächten, fuhren wir zum Mt Rushmore National Memorial und bestaunten die in Stein gemeisselten 4 Ex-Präsidentenköpfe. Auch das Gegenstück Crazy Horse, welches um ein vielfaches grösser ist und ein Anführer der Oglala Indianer symbolisieren soll, der sich 1866 gegen die US-Regierung wehrte, um sein Territorium zu verteidigen.

 

Nach Cheyenne, Hauptstadt Wyomings, war es an der Zeit die Rocky’s zu überqueren. Es war ja schon Ende September und in dieser Höhe von 2’500-3'700 m ü.M. kann das Wetter jederzeit umschlagen.

Im Rocky Mountain NP, zeigte sich der Indian Summer von seiner besten Seite. Warme Temperaturen, stahlblauer Himmel und die Blattverfärbung der Laubbäume war bezaubernd. Wandern, Elche beobachten, schliesslich war ja Brunftzeit, war angesagt....

 

Über die höchstbefahrene Strasse der USA auf 3'722 m ü.M., wo die Wasserscheide des Arkansas und Colorado Rivers liegt,  ging es weiter nach Georgtown. Ein Pass nach dem anderen führte uns schliesslich nach Aspen, und wie der Name schon sagt, alles gelb bis tiefrot verfärbte Birken, soweit das Auge reicht.

Es ist frühmorgens, als wir nach einem weiteren Pass Aspen erreichen, sehe ich alles wie in Zeitlupe. Ein Auto fährt Rückwärts aus einer Seitenstrasse, ich schreie Andy, schon zu spät.....Der junge Mexikaner fährt direkt in die Seite unseres Autos. Aussteigen, ist alles okay bei euch, schauen wir uns den Schaden an. Der junge Mann fuhr zum Glück nur in die Radfelge. Trotzdem rief ein älterer Mann, der Zeuge des Unfalls war, die Polizei. Falls es die Achse verschoben hätte, wäre eine Weiterfahrt unmöglich gewesen. Papierkram erledigt, wollte die Polizei ein Foto mit uns und dem Büsli machen, schliesslich gibt es nicht alle Tage ein Unfall mit einem Auto mit Schwyzer KennzeichenJ

 

Uff, nochmals Glück gehabt...ich hoffe dadurch wird meine Autofahrphobie nicht noch schlimmer...Obwohl es noch keinen Schnee hatte, jedoch wunderschön verfärbte Birkenwälder, bleibt uns Aspen bestimmt ein Leben lang in Erinnerung.

 

Kopf hoch, alles kommt gut, fahren wir weiter zum Black Canyon NP und bleiben für ein paar Tage. Der bekannte und atemberaubende Million Dollar Hwy 550 ist eine echte Zitterpartie und überquert 3 für amerikanische Verhältnisse schmale Passstrassen und führt uns nach Silverton/Durango. Hier fährt eine historische kohlenbefeuerte und dampfbetriebene Lokomotive durch die herrliche Wildnis der San Juan Berge im Südwesten Colorados. Wir fühlten uns wie in das vorige Jahrhundert zurückversetzt.

  

Es geht weiter Richtung Route 66. Den historischen Teil der Route 66, Flagstaff-Seligman mit Abstecher nach Sedona, Outman und dem Grand Canyon NP wollen wir uns nicht entgehen lassen.

 

Auf dem Weg Richtung Flagstaff war mittlerweile der 20igste NP auf dem Programm, der Petriefied Forest NP. Der dazugehörige Travel Stamp Sticker zur Sammlung für unser Büsli kauften wir wie immer im Visitor Center. Der Park gehört zum südlichen Colorado-Plateau, der Painted Desert auf 1’800 m ü.M.. Überall im Park verteilt liegt verkieseltes Holz. Von weitem könnte man meinen es seien liegengelassene Holzpfähle, in Wirklichkeit ist alles versteinert.

In Flagstaff, bekannt für das amüsante Nachtleben an der Route 66, schliefen wir mal wieder an einer Seitenstrasse. Mitten in der Nacht kamen Polizei und Feuerwehr, nein zum Glück nicht um uns wegzuschicken, sondern weil vor uns an der Ecke einer etwas ausfällig wurde. Ich bekam im Tiefschlaf von dem ganzen Geschehen nichts mit, Andy erzählte mir die Geschichte dann am Morgen.

 

Der Grand Canyon NP ist für viele Touristen ein mast have seen in den USA. Obwohl wir ebenfalls Touristen sind, diesen jedoch schon vor 5 Jahren besuchten, zog es uns nochmals hin und wir blieben gleich 5 Tage. Der Grund für den eher längeren Aufenthalt war ein entzündeter Zahn von mir. Notfallmässig ging ich in die dem Park zugehörigen Health Care Clinic und musste mich einem unglaublichen Papierkrieg unterziehen, bis ich endlich das rezeptpflichtige Antbiotika bekam.

 

Die Wüstenstadt Sedona ist unweit von Flagstaff entfernt. Die Stadt ist umgeben von steilen Canyon-Wänden, roten Felskuppen und Kiefernwäldern. Wie so oft in einer warmen schönen Region zieht es viele Kunstschaffende in diese süsse Stadt.

Zurück auf der Route 66 treffen wir mal wieder Schweizer, Rosmarie und Werner. Die beiden sind bereits seit 7 Jahren mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs. Es gibt viel zu erzählen und das mal wieder auf „schwyzerdütsch“. So treffen wir uns auf ein Bier in Seligman, Geburtsstadt der historischen Route 66.

Schon einige Dokumentarfilme habe ich mir über Seligman im Fernsehen angesehen. Auch über den bereits weltweit bekannten von Angel Delgadillo geführten Barber-Shop. Der heute 93-jährige Mann, war Mitbegründer der „old historic route 66“. Leider trafen wir ihn nicht im Barber-Shop, sondern ein paar Meter weiter beim Saxophonspielen in einer Baar. Unzählige Touristen aus aller Welt kommen deshalb in diese kleine Stadt.

 

Wer Esel liebt, wie ich es tue, kommt nicht um den kleinen im Gebirge gelegenen Ort Outman herum. In dieser kargen und steinigen Gegend haben wir unzählige wildlebende Esel gesehen, welche dann auch einen Abstecher nach Outman machen, um dort von den Touristen gefüttert zu werdenJ

 

Die Zeit drängt, da wir in gut einer Woche zurück in die Schweiz fliegen.

Wir fahren am Leak Mead und dem Hoover Dam vorbei und sehen anhand des Wasserstandes am Hoover Dam, dass Las Vegas dringend eine Alternative benötigt, um die Energieversorgung in Zukunft zu gewährleisten. Ist ja schon verrückt, mitten in der Wüste eine Stadt, die so viele Menschen aus aller Welt anzieht. Wer Glitzer, Glamour, Shows und Glücksspiele sucht, ist hier genau richtig...

 

In Las Vegas suchten wir einen uns empfohlenen RV Store auf. Während unseres Heimat-Urlaubes soll unser Büsli in einem überwachten Gelände auf uns warten. Alle Abklärungen sind getroffen und so stürzen auch wir uns ins Glücksspiel. Andy versucht sein Glück am Roulette, während ich mal wieder am Pokertisch sitze.

 

Für drei Tage machten wir einen Abstecher in’s Death Valley und kamen am tiefsten Punkt unserer Reise, in Badwater bei -86 m ü.M. an. Obwohl schon mitte Oktober, erreichten die Temperaturen am Tag über 30°. In diesem Park ist Offroad fahren erlaubt und ebenfalls Wild Camping an den vorgegebenen Plätzen abseits der Strasse. Und so finden wir ein Plätzchen mitten in der Wüste, keine Menschen, keine Geräusche, keine Lichtverschmutzung, einfach unbeschreiblich. So nahe kamen uns die Sterne noch nie vor. Ausser dem Geheule der Kojoten in der Nacht, war nichts zu hören. Tiere gibt es quasi gar keine, jedoch eine Vogelspinne überquerte die Strasse. Ich hätte diese ja nie gesehen, Andy wendet auf der Strasse und die Spinne war „im Kasten“.

 

Die Vorfreude unsere Liebsten nach 7 Monaten zu sehen ist gross.

 

Auch Abklärungen für die Weiterreise müssen während unseres Heimaturlaubes getroffen werden.

Wir haben uns nach langem hin und her, Pro und Contra entschieden, Mittel- und Südamerika nicht mit unserem eigenen Büsli zu befahren. Die schlechte Dieselqualität in diesen Ländern zwingt uns dazu. Aus softwaretechnischen Gründen können wir auch nicht den DSP (Diesel Partikel Filter) ausbauen lassen.

Der Entscheid ist uns zu Beginn schwer gefallen, jedoch mit den zunehmenden politischen Problemen und Ausschreitungen in Mittel-und Südamerika, erleichterte uns jedoch diesen und vielleicht ist es einfach nicht der richtige Zeitpunkt für uns. Vamos a ver, in ein paar Jahren vielleicht.....

 

Wie die Reise als Backpacker in Cuba, Costa Rica und Nicaragua weitergeht, im nächsten Bericht....

 

Gefahrene Kilometer insgesamt: 24’620

Regentage: USA 0 / Schweiz 13

Höchst-/Tiefsttemperatur: 31°/-0.5

Übernachtungen: Motel/Campground/ Wild Camping/ zu Hause: 6/17/18/21

Highlight: The great American West, Deadwood, Sedona und natürlich unsere Grosskinder und Family zu sehenJ

 

 

 

letzter Bericht                                                   nächster Bericht

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Cousinli karin (Samstag, 23 November 2019 18:57)

    Wauuuu ...ihr erläbät mega tolli zitä!...gniesset das fest und weiter so...findus spitze das es mänschu wie ew git...auf und davon und eifach läbä!...bravo...liebs grüässji an ew zwei...festi umarmig und sorg ha!...munzi

  • #2

    Bärbel (Sonntag, 24 November 2019 23:11)

    Megatoller Zwischenbericht wieder. �� Und noch toller war es, euch beide daheim
    Mal wieder in die Arme zu schliessen, zu quaseln und zu sehen wie gut es euch geht.
    Geniesst weiter jeden einzigen Tag. Ihr seid bewundernswert. Bussi Bärbel

  • #3

    Madeleine Wyss (Freitag, 29 November 2019 16:07)

    Wieder ein toller Bericht. Merci.
    Die Zeilen über Flagstaff, dem Petriefied Forest und Grand Canyon bringen Erinnerungen zurück.
    War vor gefühlten 100 Jahren dort.
    Euer Heimurlaub hat mich berührt. Wir Menschen sind doch seltsame Wesen. Zuhause haben wir Fernweh, in der Ferne haben wir Heimweh. Aber das ist gut so.
    Bestimmt wird Eure Weiterreise ganz toll. Vor allem mit Cuba und Costa Rica habt Ihr ja noch fantastische Reiseziele vor Euch und diese mit den Backpacks zu erkunden ist sicher eine gute Idee.
    Wünsche Euch weiterhin ganz viel Freude und Spass und tolle Erlebnisse.
    Liebe Grüsse Mädy