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2. Verschiffung, Start in den USA und schon kam der Bär.....

24. April-31. Mai 2019

 

Hamburg-Miami-Everglades NP-Marco Island-Tampa-Charleston-New-Bern-Baltimore/Washington DC-Shenandoah NP

 

Am 24. April war es endlich soweit. Frühmorgens gaben wir unseren Bus vollgestopft, sauber gewaschen und mit allen nötigen Formalitäten versehen, am Hafen in Hamburg ab. Alles lief tip top. Ab jetzt sind wir für dreieinhalb Wochen nur noch mit dem Rucksack unterwegs...

 

In Miami gelandet, mit einem Mietauto ausgestatten, ging es todmüde Richtung Miami, South Beach. Das muss frau doch mal gesehen haben. Unser Navi, genannt Dumpfbacke, brachte uns direkt an den Ocean Drive, der bekannten Einkaufs- und Promimeile von Miami. Ein paar geschossene Fotos und einer überteuerten Pizza später, fuhren wir nach Ford Lauderdale, wo wir uns für die nächsten Tage einquartierten.

 

Wie wir ja bereits wussten, haben die Amis so zu sagen keine Esskultur, was man den meisten auch ansieht, abgesehen von billigem Fastfood, Fastfood und nochmals Fastfood, gibt es nicht viel für unseren Geschmack. So kauften wir frische Produkte in einem Foodmarkt (zum einpacken wurden etwa 20 Plastiksäcke an der Kasse verwendet) und Andi verwöhnte mich mit feinem Essen.J

 

Der erste National Park führte uns in die Everglades. Dieses Naturwunder ist einfach atemberaubend. Viele Vogelarten und Krokodile/Alligatoren konnten wir entlang dem bekannten Tamiami Trail und dem Offroad Loup beobachten. So staunten wir, als ein paar Meter vor uns ein Alligator die Strasse überquerte.

 

Weiter ging es via Marco Island, ein wunderschöner mit weissem Sand versehener Strand, nach Tampa, um per Flug für 4 Tage New Orleans zu besuchen. Big Easy, wie die Stadt voller Stolz von den Einheimischen genannt wird, gibt dem Namen alle Ehre. Hier tickt die Zeit und die Leute anders, als im Rest der USA. Musik, Musik und crazy People. Natürlich zog es uns direkt ins French Quarter an die bekannte Bourbon Street und wir genossen das Flair in vollen Zügen. Der Zufall wollte es, dass an diesem Wochenende das 50. Jazz Heritage Festival stattfand. Dies liessen wir uns nicht entgehen und kauften Tickets für den Sonntag. Wir kamen in den Genuss von Jazz- und Bluesgrössen wie Chaka Khan, John Fogerty, Santana und vielen uns nicht bekannten Bands. Einfach grossartig.

Schon zu Hause wusste ich, dass ich unbedingt eine Mississippi-Fahrt mit dem letzten originalen 1911 erbauten, dampfbetriebenen Schaufelrad Schiff ‚Natchez’ machen wollte. Ein wenig Nostalgie musste eben sein.

 

Zurück in Tampa ging es weiter Richtung Daytona Beach, bekannt für den Speedway, NASCAR-Rennen, Muscle Cars und Autos direkt am Strand (Rauchen verboten, Ölspuren im Sand egal). Hier gab es vor allem für Andy so einiges zu staunenJ

Genug von lauten Motoren ging es weiter Richtung Charleston. Diese wunderschöne Stadt mit ihrer Antebellarchitektur und der spannenden Südstaaten Geschichte,  beeindruckte und stimmte uns zugleich nachdenklich. Das Old Slave Museum gab uns einen realistischen Einblick, wie die Schwarzen im 18. und 19. Jahrhundert versklavt wurden, um in den riesigen Plantagen zu schuften. Etwas ausserhalb von Charleston schauten wir uns die Magnolia Plantage an. Dort wollte ich abseits der markierten Wege, entlang eines mit Moos übersäten stillen Gewässers gehen, meinte Andy, hier gibt es bestimmt Alligatoren. Ach nein, sagte ich, komm wir gehen noch ein Stück weiter... und plötzlich war ein etwa 3 Meter langer Alligator ca. 2 Meter vor uns!!!!! Nichts wie weg hierJ

 

Einen weiteren Zwischenstopp legten wir in Myrtle Beach ein. Der Zufall wollte es anscheinend so, dass immer dort wo wir aufkreuzten die Post abgeht. Und so war es auch in Myrtle Beach. Ein riesen Harley Davidson Treffen fand genau an diesem Wochenende statt. Die ganze City dröhnte mit lautstarken Motoren und wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Modelle konnten auffallender nicht sein. Wir dachten uns, wo die ganze Masse von Leuten sich wohl treffen, fanden dann heraus, dass etwas ausserhalb des Zentrums verschiedene Veranstaltungen im Grünen stattfanden . So dröhnte beispielsweise laute Musik von einer Bühne, idyllisch mitten in einem stillen Gewässer stehend, während sich auf einem nahegelegenen Ast Wasserschildkröten sonnten.

 

Erneut genug von lauten Motoren flüchteten wir nach New Bern, die 1711 von ausgewanderten Berner und Deutschen gegründet wurde. Hier lernten wir die Besitzerin eines Giftshops mit importierten Schweizer Glocken, Schokolade, Messer und vielem mehr kennen, welche prompt aus Bern kam. Ein Besuch beim World of Pepsi Cola Museum rundete unseren Besuch in dieser süssen kleinen Stadt ab.

A propo Gift Shop, Andy liebt diese Läden und muss in jeder besuchten Stadt oder Gegend einen aufsuchen, um Stickers zu kaufen, die unseren Bus schmücken sollen.

 

Ein weiteres Highlight waren die Outer Banks. Diese vorgelagerte Insel ist 300 Meilen lang und ca.1.3 Meilen breit. Ein Muss für alle Naturliebhaber. Jedes Jahr besuchen über 300 verschiedene Vogelarten die Outer Banks, um zu brüten.

 

Nach 4200 gefahrenen Kilometer und vielen Eindrücken im Handgepäck, gaben wir das Mietauto in Baltimore ab. In der Nähe vom Hafen bezogen wir ein Hotel, welches uns von der Rederei vorgeschlagen wurde. Und nun hiess es warten bis unser Büsli ankommt. Na ja, was macht man ohne Auto in Amerika? Fussgänger, die sucht man in dieser Gegend vergebens, ohne Auto geht hier gar nichts. Nichts desto trotz wollten wir in eine nahegelegene Tankstelle laufen, um uns mit ein paar Snacks und Getränken einzudecken. Trottoirs gibt es keine oder nur defekte, klar wir sind ja auch in einer Big City. Die Insassen der vorbeibrausenden Autos sahen uns an als ob wir Ausserirdische sind. Hier läuft man keinen Meter, ausser ein paar wenigen die aus dem sozialen Netz gefallen sind. Genau solchen sind wir bei unserem Ausflug zu Fuss dann auch begegnet und liessen das spazieren in der eher gefährlichen Gegend sein. Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Hotel Shuttlebus an den Inner Harbor von Baltimore und genossen die sichere Touristenmeile am Hafen.

 

Und dann kam endlich der Tag X. Die Anspannung war gross. Ist der Bus wirklich da? Wurde nichts geklaut? Kommt er durch den Zoll mit der illegal eigeschmuggelten Ovomaltine, dem selbst gebrannten Absinthe und den Medikamenten, welche wir nicht im Handgepäck mitnehmen wollten?

Andy ging mit dem Agenten zum Hafen und ich wartete gespannt im Hotel. Nach gefühlten 4 Stunden holte er mich ab. Die Erleichterung war gross, alles hat geklappt. Dafür sind wir sehr dankbar.

 

Jetzt geht die Reise erst richtig los. Als erstes steuern wir einen Walmart zum Einkaufen an und füllen den Kühlschrank und die Kühlbox mit Essen, Wein und Bier und decken uns mit 2 x 20 Liter (je 3 Galonen) mit Depot versehenen Wasserflaschen ein. Wir wollen ja nicht noch mehr Plastikmüll als nötig verschwenden. Anschliessend geht es in den Greenbelt State Park in Washington DC, wo ich zuvor für 3 Nächte einen Platz im Campground reservieren wollte,  jedoch mit Schrecken feststellte, dass an diesem Wochenende, besser gesagt am darauffolgenden Montag , 27. Mai, Memorial Day ist. Für die erste Nacht gab es noch einen freien Platz, den ich online reservieren konnte. Für die darauffolgende Nacht war alles komplett ausgebucht. Danach gab es wieder freie Plätze, die ich ebenfalls buchte. Frohen Mutes dachte ich, alles kommt gut, irgendjemand wird für die eine Nacht absagen und wir können bleiben. Mehrmals fragte ich den Ranger, ob wir unser Bus nicht nur zum schlafen irgendwo hin stellen könnten. Platz hätte es ja genug gehabt. Nein, war die Antwort, wir müssten gehen, alle Plätze seien voll und sie würden die Polizei rufen, falls wir nicht gehen. Okay, toll.... Ein Foto des Buses wurde bereits von der verärgerten Rangerin gemacht. Nichts wie weg hier. So blieb uns nichts anderes übrig als die zweite Nacht auf einem Walmart Parkplatz zu verbringen, um am nächsten Tag wieder in den Park zurückzukehren. Nichts desto trotz richteten wir uns notdürftig für die erste Nacht ein. Die Holzplatte, die extra für die Verschiffung  eingebaut wurde, damit alles blickleer bleibt und von Diebstahl geschützt ist, weichte einem Feuer für unser erstes T-Born Steak. Und so feierten wir mit einer Flasche Rotwein unser neues Leben auf vier Rädern.

Schnell stellten wir fest, dass wir uns aus platzgründen von ein paar Dingen trennen müssen.  Eine Dachbox musste trotzdem her, damit wir einige Sachen verstauen können, die zum momentanen Zeitpunkt nicht nötig sind, wie Winterkleider, Wollsocken etc. Schliesslich haben wir 32°.

Die beiden Tage verbrachten wir mit Küche einräumen, wieder ausräumen und wieder einräumen, wo gibt es noch eine leere Ecke die genutzt werden kann, Ventilator montieren, Dachbox befestigen, Sticker ankleben, Wäsche waschen, Bürokram erledigen, Bericht schreiben und die Planung für die Dumpfbacke (Navi), die uns als nächstes Ziel in den Shenandoah NP bringen soll.

 

Einigermassen gut eingerichtet fahren wir in den Shenandoah NP. Washington DC lassen wir wegen des Rummels vom Memorial Day aus. Wir möchten endlich die Ruhe und die Natur geniessen. Und die finden wir auch. Hier lacht die Natur.

In einem der 3 Campgrounds im NP, entlang des Skyline Drive (diese schmale Strasse führt 120km durch den Shenandoah National Park und geht in den Blue Ridge Parkaway über, welcher zum Grate Smoky Mountains NP führt).

Am ersten Tag ruhen wir uns aus, essen lecker und ich gehe abwaschen, während Andy sonst etwas am„chnuschtä“ ist. Ich sehe etwas Schwarzes was sich bewegt, ein überdimensional grosser Hund? Nein es ist ein Bär. Ich springe zurück zum Bus und rufe Andy, ein Bär, ein Bär. Tatsächlich haben wir am Geburtstag unseres Sohnes den erster Bären gesehen. Unglaublich aufregend.....

Die nächsten Tage unternehmen wir ausgedehnte Wanderungen entlang des bekannten Appalachian Trail, (dieser über 3400 Meilen lange Trail geht vom Bundesstaat Main bis Georgia). Am Abend, todmüde kommt ein Gewitter auf und wir ziehen uns müde, jedoch glücklich in unsere 4 Wände zurück.

Wie es weitergeht in unserem Alltag auf vier Rädern im nächsten Bericht...

 

Gefahrene Kilometer: 4’500

Regentage: keine, zwei heftige Gewitter

Höchst-/ Tiefsttemperatur: 33°/21°

Übernachtungen: Studios, Hotel/Campground/Walmart: 29/7/1

Highlights: Der Bär und die Alligatoren. NP Everglades und Shenandoah.

 

letzter Bericht                            nächster Bericht

 

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Christine (Sonntag, 02 Juni 2019 09:20)

    Juhu der Bär ist los... Spannend eure Reise per Blog zu verfolgen... so viele Tiere schon beobachtet!!! Freu mich, dass mit dem Bus alles gut geklappt hat!!!Nun ist auch in der Schweiz innert 2 Tagen Sommer geworden...
    Wünsche euch weiterhin, tolle Erlebnisse, gute VW Fahrten und spannende Begegnungen mit Menschen und Tieren! Seid umarmt
    Christine

  • #2

    Tina Brandl (Dienstag, 11 Juni 2019 15:24)

    Hallo Ihr Lieben,
    Klasse wie ihr alles schriftlich kommentiert! Aufregend und sehr spannend! Ich werde euch und eure Reise weiter gerne „verfolgen“.
    Hebt Euch Sorg und viel Spaß weiterhin, bis bald.
    Liebe Grüße aus München
    Tina

  • #3

    Conny @ Heinz (Freitag, 14 Juni 2019 18:11)

    Hola
    Es freut uns, dass es euch gut geht und ihr mit uns eure tolle Momente im Blog teilt. Euer Roadtrip ist mega. Ihr habt so was von Recht, was ihr zwei zusammen macht. Geniesst die Zeit. Wir beneiden euch richtig und sind auf eure nächsten Berichte „giggerig‘.
    Glg von unserem Roadtrip rund im die iberische Halbinsel.
    Conny & Heinz